Wie pflegt man Kontaktlinsen richtig?

Kontaktlinsen sind weit mehr als nur ein Ersatz für die Brille und gehören zu den Sehhilfen, die echten Mehrwert bieten können. Wichtig ist, dass Sie auf die richtige Kontaktlinsenpflege achten, denn nur so haben Sie im wahrsten Sinne des Wortes "klare Sicht". Worauf ist zu achten und wie pflegt man Kontaktlinsen richtig?

Warum muss man Kontaktlinsen pflegen?

Die tägliche Reinigung der Kontaktlinsen (bei dauerhaftem Gebrauch) ist das A und O, um sich über eine gute Sicht und gesunde Augen freuen zu können. Es ist nämlich nur natürlich, dass sich durch das Tragen Verunreinigungen bilden. Speziell Eiweiße und Fette sammeln sich an und führen zu einem Biofilm auf den Linsen. Dieser könnte als Nährboden für Bakterien, Viren und Pilze sowie Krankheitserreger dienen. Jene greifen dann im Ernstfall die Hornhaut an, lösen Entzündungen aus und führen zu Augenerkrankungen wie Keratitis. Besonders hoch ist dieses Risiko bei den weichen Kontaktlinsen (flexibel). Diese sind von mit Wasser gefüllten Poren durchsetzt und können bei mangelnder Pflege eine Hornhautentzündung oder Bindehautentzündung verursachen. Doch selbst bei harten Kontaktlinsen (formstabil) sind die Chancen hoch, dass sich ein Biofilm bildet und sich potenziell schädliche Mikroorganismen einnisten. Denken Sie daher einmal am Tag – bevorzugt am Abend beim Absetzen der Linsen – oder jedes Mal rechtzeitig vor der sporadischen Nutzung an die Kontaktlinsenreinigung und -pflege.

Der erste Schritt: Auf Hygiene achten

Noch bevor es mit der Pflege der Kontaktlinsen losgeht, sollten Sie ein sauberes Umfeld schaffen, damit nicht durch den Vorgang des Reinigens mehr statt weniger Bakterien ihren Weg an die Linsen finden. Vergessen Sie nicht das Händewaschen! Säubern Sie Ihre Hände gründlich mit Wasser und achten Sie darauf, nicht nur Verunreinigungen restlos zu entfernen, sondern auch keine Seifenreste – mit eventuell aggressiven chemischen Substanzen – übrig zu lassen. Trocknen Sie die Hände anschließend mit einem Tuch ab, das keine Fusseln hinterlässt. Das gilt für jedes Mal, wenn Sie die Kontaktlinsen einsetzen und absetzen. Es ist des Weiteren wichtig, dass Sie das Behältnis mit dem Kontaktlinsenpflegemittel stets luftdicht verschlossen halten, damit es seine Sterilität nicht verliert. Dasselbe gilt für die Aufbewahrung von Kontaktlinsen über Nacht oder wenn sie nicht getragen werden, denn zur Kontaktlinsenpflege gehört das Reinigen des Behälters, welcher antibakteriell sein sollte (siehe Bild), untrennbar dazu.

Der zweite Schritt: Die Kontaktlinsen reinigen

Sie reinigen jede Kontaktlinse einzeln, aber das muss eigentlich nicht explizit erwähnt werden. Legen Sie dabei die Linse nicht auf eine Unterlage, sondern auf die Handfläche. Nun träufeln Sie das gewählte Reinigungsmittel darauf. Wie viele Tropfen benötigt werden, hängt von der gewählten Reinigungslösung, der Linsenart und dem jeweiligen Grad der Verschmutzung ab. Nutzen Sie nun den kleinen Finger dazu, die Flüssigkeit auf der Linse zu verteilen und diese etwa 20 Sekunden lang zu reinigen. Reiben Sie sanft über die Oberfläche.

Der dritte Schritt: Die Kontaktlinsen abspülen

Nach der Kontaktlinsenreinigung kommt das Abspülen. Dafür verwenden Sie bitte kein Wasser, sondern speziell hierzu angebotene Kochsalzlösungen, wie z.B. die Pur Kochsalzlösung. Diese entfernen die Reste des Reinigungsmittels und sind sowohl für weiche als auch für harte Kontaktlinsen geeignet. Legen Sie die Linsen danach in den sauberen Aufbewahrungsbehälter.

Der vierte Schritt: Die Kontaktlinsen desinfizieren

Damit ist noch nicht alles getan, denn mit der wichtigste Schritt der Kontaktlinsenpflege ist die Desinfizierung der Linsen. Mit dem Reinigungsmittel haben Sie nur den Biofilm beseitigt; das Desinfektionsmittel hingegen sagt den Mikroorganismen den Kampf an. Legen Sie die Kontaktlinsen in der desinfizierenden Flüssigkeit ab. Die Dauer ist vom Pflegemittel abhängig zu machen. Achten Sie darauf, die Lösung vom Vorabend nicht nochmals zu benutzen.

Sollten Sie sich auf ein Kontaktlinsenmittel mit Wasserstoffperoxid verlassen haben, muss diese Lösung neutralisiert werden. Vergessen Sie diesen Schritt auf keinen Fall, denn sonst werden Ihre Augen angegriffen bzw. brennen oder schmerzen! Je nach Lösung dauert die Neutralisierung bis zu sechs Stunden und kann u. a. nachts erfolgen. Sie sollten sich auf eine geeignete Aufbewahrungslösung verlassen, die ebenfalls einen desinfizierenden Effekt ausübt und gewährleistet, dass die Oberfläche der Linsen benetzbar bleibt. Vergessen Sie vor dem Einsetzen das erneute Abspülen mit einer Reinigungslösung nicht, damit verbliebenes Desinfektionsmittel Ihre Augen nicht reizt.

Zusätzliche Kontaktlinsenpflege: Enzymreiniger

Mit der täglichen Reinigung sind Sie auf der sicheren Seite, doch Kontaktlinsen haben es verdient, darüber hinaus gepflegt zu werden. So haben Sie extra lange Freude an einem Produkt und minimieren das Entzündungsrisiko noch mehr. Experten raten beispielsweise dazu, einmal pro Woche die Kontaktlinsenpflege mit einem Enzymreiniger durchzuführen. Dieses auch als Proteinentferner bezeichnete Pflegemittel dient der Spaltung und dem Abbau von Eiweißen. Solche Ablagerungen sind insbesondere bei weichen Linsen unvermeidbar und bilden sich außerdem, wenn man die Kontaktlinsen über einen längeren Zeitraum hinweg aufbewahrt. Wird das Protein nicht entfernt, kann es die Linsenverträglichkeit senken und die Sehqualität einschränken. Durch die Ablagerungen wird nicht ausreichend Sauerstoff an das Auge gelassen. Proteinentferner sind z.B. als Enzymtabletten erhältlich, die aufgelöst werden. In diese Flüssigkeit legen Sie die Linsen für den vorgeschriebenen Zeitraum. Die enzymatische Reinigung empfiehlt sich für harte wie auch für weiche Kontaktlinsen. Diverse Kombilösungen beinhalten bereits einen Proteinentferner, im Gegensatz zu Peroxidlösungen.

Manche sehen es darüber hinaus als Teil der Kontaktlinsenpflege an, Pflegelösungen zu nutzen, die für mehr Feuchtigkeit und damit ein angenehmeres Tragegefühl sorgen. Solche Nachbenetzungslösungen wie das Lipo Nit Augenspray (siehe Bild) dürfen bei jedem Linsentyp eingesetzt werden und kommen in der Form von Augentropfen zum Einsatz. Sie unterstützen den natürlichen Tränenfilm und vermeiden ein Austrocknen der Augenoberfläche, das Entzündungen auslösen könnte.

Welches Pflegemittel ist das Richtige?

Es steht Ihnen frei, mehrere separate Kontaktlinsenpflegemittel zu kaufen und kombinieren oder auf eine praktische All-in-One-Lösung zu setzen. Letztere Produkte erfreuen sich großer Beliebtheit, da sie das Reinigen, das Desinfizieren und das Abspülen übernehmen. Sie eignen sich jedoch nicht für jeden.

Grundsätzlich wird unterschieden in: 

  • Oberflächenreiniger,
  • Kombilösung,
  • Kochsalzlösung
  • Peroxidlösung und
  • Neutralisationsflüssigkeit sowie
  • Desinfektionslösung und
  • Aufbewahrungslösung

Manche Enzymreiniger stellen im Gegensatz zu den Proteintabletten eine Kombilösung dar.  Stimmen Sie das Produkt auf die weichen / flexiblen oder harten / formstabilen Kontaktlinsen und Ihre Vorgehensweise ab. Peroxidlösungen mögen etwas mehr Mühe bereiten, sie bieten auf der anderen Seite aber den Vorteil, dass bei ihnen keine Konservierungsstoffe zum Einsatz kommen und sie sich somit für sensible Augen und Allergiker anbieten. Schätzungen zufolge verlassen sich bis zu 90 % der Kontaktlinsenträger auf All-in-One-Lösungen oder Kombilösungen, um den Aufwand zu reduzieren.

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