Kann man mit Kontaktlinsen schwimmen gehen?

Kontaktlinsen erleichtern den Alltag ungemein, sowohl bei der Arbeit als auch in der Freizeit oder im Urlaub. Aber es gibt Situationen, in denen man sich die Frage stellt, ob man nicht lieber auf die Linsen verzichten oder eine Brille tragen sollte. So bekommen Optiker und Augenärzte häufig die Frage zu hören: Kann ich mit Kontaktlinsen schwimmen gehen? Eine einzig richtige Antwort gibt es hierauf nicht, denn an dem Thema scheiden sich ein wenig die Geister. Dieser Artikel wird Ihnen mehr Klarheit verschaffen.

Klare Sicht beim Schwimmen?

Auf den ersten Blick scheint es, als seien Kontaktlinsen ideal, um beim Schwimmen gut genug zu sehen. Selbst so manch ein Brillenträger kommt in die Versuchung, auf die Linsen umzusteigen. Schließlich sind sie weniger umständlich und riskant als Brillen, nicht aus Glas gefertigt, scheinen nicht so leicht verloren zu gehen, beschlagen nicht und können theoretisch unter der Taucherbrille oder Schwimmbrille getragen werden. Zwar lässt sich an diesen Aussagen nicht rütteln, aber sie sind nur die halbe Wahrheit. Die Beschaffenheit von Kontaktlinsen und die Eigenschaften von Wasser müssen nämlich ebenso berücksichtigt werden, und dann sieht das Ganze weitaus weniger toll aus.

Frage 1: Kann man mit harten Kontaktlinsen schwimmen gehen?

Harte Kontaktlinsen – auch als formstabile Kontaktlinsen bezeichnet – liegen nicht so eng am Auge an bzw. passen sich dessen Form nicht so präzise an. Die kleinere Haftfläche hat zur Folge, dass die Linsen beim Schwimmen leicht verlorengehen können. Wenn Sie also eine ganz besondere Ausfertigung besitzen oder sehr an Ihren Kontaktlinsen hängen, sollten Sie die Linsen vor dem Gang ins Schwimmbad oder Sprung ins Meer lieber herausnehmen. Was aber, wenn Sie so gut wie gar nichts sehen und nicht blind schwimmen wollen? Dann empfiehlt es sich, in den Urlaub ein Paar Ersatzlinsen mitzunehmen bzw. generell Ersatzkontaktlinsen bereit zu halten. Besonders beim Schwimmen im Meer mit Wellengang ist das Verlustrisiko groß. Sie können es ein klein wenig mindern, indem Sie die Augen leicht zukneifen.

Antwort: Ja, Sie können mit harten Kontaktlinsen schwimmen gehen – aber das Risiko ist relativ groß, dass Sie diese verlieren. Ersatzlinsen sind ein Muss. Alternativ entscheiden Sie sich für eine wasserdichte Schwimmbrille, die auf die Sehstärke angepasst wird, gute Sicht bietet und fest sitzt. Ist es zu aufwändig oder kostspielig, die Schwimmbrille in der richtigen Stärke anfertigen zu lassen, tragen Sie einfach eine ganz normale Schwimmbrille über den Kontaktlinsen.

Frage 2: Kann man mit weichen Kontaktlinsen schwimmen gehen?

Weiche Kontaktlinsen – die auch als flexible Kontaktlinsen geführt werden – sind die falsche Wahl, wenn es nass wird. Sie verfügen über eine weiche Oberfläche mit Poren und sind einem Schwann nicht unähnlich. Das führt dazu, dass Wasserkontakt die Linsen zwangsläufig mit Bakterien und Keimen in Berührung bringt. Sowohl chlorhaltiges Leitungswasser und Wasser im Schwimmbecken als auch Salzwasser sowie Wasser in Flüssen und See ist keimhaltig, was im Ernstfall zu Entzündungen und Augenkrankheiten führen kann. Neben den Keimen tummeln sich u. a. noch Algen, Pilze, Parasiten und Amöben im Wasser, die alle gefährlich werden können. Neben ihnen wird beim Pool-Wasser noch Chlor aufgenommen, das eine ätzende Wirkung auf die Augen ausübt. Mit den potenziell schädlichen Substanzen wird selbst das beste Kontaktlinsenpflegemittel nicht fertig, sodass auch ein gründliches Reinigen nach dem Schwimmen nicht aushilft.

Manche vertreten die Meinung, die Besorgtheit um Infektionen sei etwas überdreht, da schließlich auch Menschen ohne Kontaktlinsen theoretisch mit den Keimen im Wasser in Berührung kommen. Das ist richtig, doch zwei Faktoren erhöhen das Infektionsrisiko bei Kontaktlinsenträgern: Erstens dient die Innenseite der Linsen – bei nicht ausreichender Pflege oder sogar trotz der Kontaktlinsenpflege – als Nährboden für die Keime, die sich dort vermehren. Zweitens leiden manche Kontaktlinsenträger unter mikroskopisch kleinen Augenverletzungen (Mikrotraumen an der Hornhaut), über die ein Krankheitserreger ins Augeninnere gelangt.

Antwort: Nein, Sie sollten mit weichen Kontaktlinsen nicht schwimmen gehen. Die Gefahr ist viel zu groß, dass Ihre Linsen und Ihre Augen darunter leiden und Augeninfektionen drohen. Müssen Sie – beispielsweise beim Wassersport – unbedingt Kontaktlinsen tragen, dann verwenden Sie nur Tageslinsen. Diese entsorgen Sie sofort nach dem Abtrocknen, sodass sie nicht zu lang mit den Augen in Kontakt bleiben.

Allgemeine Tipps für Schwimmer mit Kontaktlinsen

Wenn Sie beim Schwimmen Kontaktlinsen tragen wollen oder müssen, dann ist die Pflege der Linsen das A und O. Die harten Kontaktlinsen sollten nach dem Schwimmen unbedingt gründlich gereinigt, desinfiziert und abgespült werden, damit die im Wasser unweigerlich enthaltenen Keime keinen Nährboden für Infektionskrankheiten bieten. Es mag zudem helfen, das Auge ein wenig zu schonen und für eine Weile ohne Linsen zu belassen sowie ausreichend zu befeuchten. Tragen Sie Ein-Tages-Kontaktlinsen, entfällt die Pflege. Sie sollten im Idealfall eine Nachbenetzungslösung nutzen, um die Augen nach dem Badegang wieder fit zu machen.

 

 

 

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